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Geschrieben von: Administrator   
Montag, 21. März 2011 um 20:34

AUA contra Emirates: "Wir spielen Fußball, sie Rugby". Emirates will die Wien-Flüge aufstocken. Die AUA sieht ihre Langstrecke bedroht und wehrt sich massiv


Die größte arabische Airline will die Liberalisierung der Flugrechte zwischen Österreich und Dubai. Eine hochrangige Management-Delegation aus Dubai ist in Wien am Dienstag im Verkehrsministerium zu verhandeln. AUA-Vorstand Peter Malanik befürchtet ruinöse Konkurrenz.


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KURIER: Emirates will zwei Mal täglich von Wien nach Dubai fliegen. Warum fürchtet sich die AUA derart? Sie können dann ja auch öfter nach Dubai starten.

Peter Malanik: Sie müssen den Hintergrund sehen. Dubai will sich als Wirtschaftsstandort etablieren und einen Luftverkehrsknotenpunkt aufbauen. Dubai wird als Wirtschaftsunternehmen betrieben, die Dubai Corporation Limited. Ein Teil davon ist die Abteilung Luftfahrt, eine Subabteilung ist Emirates. Dubai will über kleinere Flughäfen die großen europäischen Drehkreuze wie Frankfurt, Paris und London leersaugen. Darum ist Wien so wichtig für Emirates.

Emirates ist die am schnellsten wachsende Airline und konkurrenziert alle europäischen Netzwerk-Airlines. Das ist Wettbewerb. Wollen Sie etwa einen Rückfall in den Protektionismus?

Wenn der Wettbewerb auf der gleichen Ebene gespielt wird, haben wir nichts dagegen. Aber hier geht es nicht darum: Airline gegen die AUA. Das Spiel heißt: Ein Staat gegen die AUA. Wir spielen Fußball, während die anderen schon längst Rugby spielen.

Emirates betont immer, keine Vergünstigungen durch die staatliche Eigentümerschaft zu haben.
Die Drehscheibe Dubai wird ohne Rücksicht auf die Wirtschaftlichkeit ausgebaut. Denn es geht ja, wie schon gesagt, um den Standort. Der Eigentümer ist der Gesetzgeber, der Regulator, besitzt die Airline, den Flughafen, hat die Luftraumüberwachung über und ist der Treibstofflieferant. Geld spielt dabei keine Rolle. Obendrein gibt es in Dubai kein Arbeitsrecht und keine Umweltschutzbestimmungen. Das ist so ähnlich wie mit den T-Shirts aus Kinderarbeit. Um dagegenzuhalten, müsste die AUA sofort 1000 Mitarbeiter aus Bangladesch anstellen. Wollen wir das? Mit Sicherheit nicht.

Jetzt sind wir schon bei der Kinderarbeit. Noch einmal: Was ist so schlimm, wenn Emirates zwei Mal täglich fliegt?
Emirates bedroht die Langstrecke der AUA massiv. Mit dem Vorteil, Dubai nur mit Transfer-Passagieren zu füttern. Ob man da in Wien etwas verdient, ist egal. Die AUA fliegt wegen Emirates nicht mehr nach Mauritius und Australien. Jetzt ist das nächste Ziel, unsere Verbindung nach Bangkok umzubringen.

Sie halten tatsächlich die gesamte Langstrecke für gefährdet?

Ja, die Bedrohung ist massiv. Und wenn wir keine Langstrecke mehr haben, müssen wir auf der Kurz- und Mittelstrecke ausdünnen. Dann wird aber auch der neue Terminal Skylink am Flughafen Wien eine Leer-Investition.

Der langjährige Lufthansa-Chef Mayrhuber hat immer vor den Billig-Airlines und den arabischen Fluggesellschaften als größte Konkurrenz für Europas Netzwerk-Carrier gewarnt.

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Die Diskussion gibt es nicht nur in Deutschland und Österreich. Europa ist dabei, sich bei der Luftverkehrspolitik völlig aufzugeben. Die Low-Coster haben uns aufgemischt, aber die wirklich große Herausforderung sind die staatlichen Golf-Carrier. Wenn Europa nicht reagiert, haben wir zwar von jedem Dorf eine Anbindung nach Dubai, aber sonst nirgendwo mehr hin. Wir werden mittelfristig keine Drehkreuze mehr haben und damit keine direkten Langstrecken-Anbindungen. Europa muss sehr aufpassen, dass die eigene Luftfahrt kein Kollateralschaden des Ausbaus der arabischen Drehkreuze wird. Europa fördert außerdem noch aus Steuergeldern jeden Airbus, der außerhalb der Herstellerländer verkauft wird. Emirates bekommen die Flieger billiger als die Lufthansa.

Was fordern Sie denn konkret bei den Verkehrsrechtsverhandlungen mit Dubai? Nur abschotten wird wohl nicht funktionieren.

Wir wollen in das Abkommen eine Fairness-Klausel wie sie Großbritannien derzeit verhandelt. Also idente Wettbewerbs-, Konsumenten- und Umweltschutzrechte. Sowie eine klare Trennung zwischen Regierungs- und Airlinefunktionen und arbeitsrechtliche Bedingungen. Der letzte Punkt wird wohl der aller- schwierigste. Denn auf prekären Arbeitsverhältnissen ist in den Emiraten nicht nur die Luftfahrt aufgebaut, sondern auch die gesamte Hotellerie und die Bauwirtschaft. Und Luftverkehrsrechte dürfen nicht mit anderen Interessen verknüpft werden.

Wo geschieht dies denn?
Natürlich wird da Druck gemacht. Für den Kauf französischer Abfangjäger bekam Dubai laut Medienberichten Flugrechte.

Rasante Expansion Die Fluggesellschaft im Besitz der Herrscherfamilie verfügt über 142 Langstrecken-Flugzeugen, weitere 194 sind bestellt. In Passagierkilometern gemessen ist Emirates (36.650 Mitarbeiter) die weltweit größte Interkontinental-Airline. Im Geschäftsjahr 2009/10 stieg der Netto-Gewinn um 777 auf 964 Millionen Dollar. Derzeit wird in Dubai ein neuer Flughafen für 120 Mio. Passagiere im Jahr gebaut.

Aus kurier-online vom 21.03.2011 15:00 | KURIER | Andrea Hodoschek

 

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